14.09.2021 Nationalparkverwaltung: Walross zu Besuch auf den Ostfriesischen Inseln

Nicht schlecht staunte ein Angler letzten Dienstag (07.09.2021), als er im Morgengrauen ein Walross auf Baltrum entdeckte. Ein weit gereister Gast aus dem hohen Norden, denn Walrosse sind in der Arktis heimisch. Die nächsten Vorkommen der atlantischen Unterart finden sich zwischen Grönland, Spitzbergen und der Barentssee. Bei dem seltenen Besuch handelt es sich um ein junges Weibchen, das sich auf große Entdeckungstour in südliche Gefilde begeben hat. Mutmaßlich ist es die gleiche Walross-Kuh, die während der hiesigen Kältewelle Mitte Februar an der dänischen Nordseeküste aufgetaucht war. Weiter westlich jenseits der Nordsee zwischen Irischer See und Biskaya war dieses Jahr von März bis August zudem ein Walross-Bulle namens „Wally“ aufgetaucht. Das seit einer Woche auf den ostfriesischen Inseln befindliche friedliche Walross ließ sich durch Inselhopping zwischen Baltrum, Spiekeroog und am häufigsten Wangerooge bereits von zahlreichen Beobachter:innen bestaunen. Meist wird es in der Morgendämmerung gesichtet und geht mit der nächsten Flut wieder auf Beutezüge. Im Januar 1998 ließ sich zuletzt ein Walross im Wattenmeer blicken, zunächst auf Ameland, dann auf Juist und schließlich auf Sylt. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN wird das Walross als „gefährdet“ eingestuft, die atlantische Unterart zumindest als „potenziell gefährdet“. Die Unterart war vor etwa 100 Jahren nach intensiver Bejagung fast ausgestorben; der Bestand der ostatlantischen Population in dem großen Gebiet zwischen Grönland und Karasee wird auf wenige tausend Exemplare geschätzt. In Deutschland ist das Walross durch das Bundesnaturschutzgesetz als „besonders geschützt“ eingestuft. Erste behördliche Ansprechpartnerin im niedersächsischen Wattenmeer ist daher die Nationalparkverwaltung. Bei einer Sichtung sollten unverzüglich die Nationalpark-Ranger vor Ort (oder alternativ die Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven) kontaktiert werden, damit sie eine störungsfreie Beobachtung gewährleisten und Interessierte informieren können. „Der Nationalpark soll auch hier halten, was er für Tiere verspricht: Ruhe“, unterstreicht Florian Carius von der Nationalparkverwaltung. „Wir bitten daher in dem glücklichen Fall einer Sichtung alle Beobachtenden, genügend Abstand zu halten. Boote sollten den Fluchtweg ins Wasser jederzeit freihalten.“ Aus ihrer arktischen Heimat sind Walrosse wohl kaum größere Menschenansammlungen gewohnt und leben in Herden zusammen. Die hier aufgetauchte Walross-Kuh scheint an der Haut verletzt zu sein. Die Nationalparkverwaltung schließt sich den Einschätzungen der Seehundstation Norddeich und des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Tierärztlichen Hochschule Hannover an, dass dies die Fitness des Tieres nicht maßgeblich beeinträchtigt. Insofern ist keine Veranlassung für einen tierärztlichen oder tierpflegerischen Eingriff gegeben. Wichtig bleibt, das Walross keinem unnötigen Stress auszusetzen, damit die Heilung nicht gestört wird. Walrosse wedeln mit ihren Flossen im Meeresboden vor allem nach Muscheln, Schnecken, Würmern und Krebsen, die sie mit ihren Barthaaren ertasten. Dafür können sie eine dreiviertel Stunde lang und bis zu 600m tief tauchen. Typisch für Robben brauchen sie ausgiebige Ruhephasen an Land und bewegen sie sich dort eher schwerfällig. Walross-Kühe können bis zu 3m lang, 850kg schwer und 50 Jahre alt werden. Die Nordpolarregion hat sich in den letzten 50 Jahren dreimal schneller erwärmt als die Erde im Durchschnitt. So macht der Klimawandel dem Walross in seiner Heimat zu schaffen, da große zusammenhängende Packeis-Flächen der arktischen Inseln und Küsten schmelzen. Historie der diesjährigen Sichtungen im niedersächsischen Wattenmeer (Liste wird an dieser Stelle online fortgeführt):
  • 7.9. auf Baltrum
  • 8.9. auf Wangerooge
  • 10.9. auf Spiekeroog
  • 12.9. auf Wangerooge
  • 14.9. auf Wangerooge
Anbei dazu ein Foto (das Walross ruht am Wangerooger Hafen, Bildautor: Jannik Peters).